Denn gut ausgebildete Fachkräfte werden in den nächsten Jahrzehnten dringender denn je gesucht. Noch beurteilen die jungen Durchstarter ihren Weg aber vorsichtig, fast schon skeptisch: "Mein Vater ist 58 Jahre alt und hat seit seiner Ausbildung nur einmal die Firma gewechselt", sagt Melanie Schuhmacher. "Das wird bei uns kaum so werden." Angst ist es keine, die die jungen Erwachsenen formulieren. Eher so eine Art Unbehagen, "die Stabilität bei der Lebensplanung fehlt", sagen einige. Vielleicht wünschen sich deshalb so viele bei der Momentaufnahme, wo sie wohl im Jahr 2025 arbeiten werden, statt der Globalisierung vor allem ein Zuhause.
Da ist zum Beispiel Jascha Wendler, der bei der schwäbisch-traditionellen Werkzeugschmiede "Festo" gelernt hat - dort würde er auch gern nach dem Studium wieder arbeiten. "Dass die mich dann auch mal nach China oder sonst wohin schicken, ist in Ordnung. Aber ich will hier meine Wurzeln haben." Überhaupt, es geht den meisten weniger um Karriereplanung als mehr um Lebensplanung: "Ich war auf der Hauptschule, ich weiß, wie schlecht dort die Perspektiven sind. Ich will meine Lebensperspektive ändern, deshalb will ich weitermachen", sagt Christoph Knauf. Oder sein Nebensitzer Danijel Dugandzic: "Bei meiner Ausbildung habe ich vor allem gemerkt, was ich nicht will - Arbeit muss Spaß machen" - zumal, wenn man sie noch ein Arbeitsleben lang vor sich hat."
Und dann strafen vor allem die jungen Damen dieser Klasse aller Statistiker Lügen. Ganz entschieden gehen die Hände nach oben bei der Frage, wer denn bitteschön vor lauter Karriereplanung auch noch an Kinder denkt. Suzanna Macuna könnte sich den eigenen Nachwuchs gleich mal vier vorstellen - und dazu auch noch einen anspruchsvollen Job. "Das geht schon, es kommt eben auf die Organisation an." Ganz so forsch zeigt sich Franziska Ebert nicht: Kinder, das ist für sie ein Thema, an das sie "mit 35 Jahren denkt". Doch auch sie ist sich sicher: Künftige Arbeitsverhältnisse werden flexibler werden müssen, wenn man nicht wolle, dass die Gesellschaft irgendwann gar keinen Nachwuchs mehr habe.
Aktuell fühlen sich die Schüler noch alles andere als eine begehrte, weil rare Generation - wenn auch der eine oder andere schon gehört hat, dass er im Jahr 2025 von seiner Lohnsteuer zwei Renten bezahlen muss - was so übrigens nicht belegbar ist. Noch fühlen sich die Leonberger Schüler auf ihrem zweiten Bildungsweg umringt von Mitbewerbern: "Wenn wir nächsten Sommer mit unserer Fachhochschulreife an den Start gehen, werden im Land gleich zwei Abi-Jahrgänge, der G8- und der G9- auf einmal entlassen", analysiert Noel Ebhart, "da muss man ziemlich entschlossen seinen eigenen Weg gehen."
aus: Leonberger Kreiszeitung, 28.11.2009
