Ursprünglich sollten die Projekte in einem Jahr fertiggestellt werden, damit für die Abiturvorbereitung in der Jahrgangsstufe 2 genug Zeit bleibt. Irgendwoher ahnte unser TET-Lehrer, dass diese Zeitspanne – neben dem regulären Unterricht – für die komplette Entwicklung eines Gerätes sehr wenig Zeit bedeutete und er mahnte stets die Schüler, ihren Zeitplan strikt einzuhalten. Zu deren Ehrenrettung sei auf den Umbau des Technik-Raums hingewiesen und den daraus resultierenden Zeitverzug. Von der neuen Ausstattung des TET-Raums A216 waren die Technikinteressierten denn auch vollauf begeistert. So wie er heute ist, bietet er eine optimale Lernatmosphäre.
Zu Beginn waren es vier Gruppen, die sich in den Kopf setzten, etwas technisch Neues zu entwickeln. Die Gruppen erstellten nach einer kurzen Projektmanagement-Einführung einen Projektstrukturplan und einen Projektablaufplan (Zeitplan) bevor sie mit dem Entwickeln der Soft- und Hardware und der Mechanik begannen. Die fachlichen und zeitlichen Anforderungen an die Mitglieder waren hoch. Eine Gruppe scheiterte an diesen Herausforderungen.
Eine der Gruppen, die schließlich 18 Monate durchhielten, waren die Erfinder der „i-Mouse“ – Oliver Dieterle, Paul Rudolph und Christian Schäfer. Die i-Mouse ist ein Katzenspielzeug, das selbstständig vor der Katze wegläuft – oder besser wegfährt. Ausgestattet ist sie mit einem Lichtsensor, damit die Maus einen Unterschlupf findet, z.B. unter einem Schrank, mehreren Distanzsensoren, einem Lautsprecher für Mäuselaute und weitere Sensoren zur Steuerung und Fahrtregelung.
Eine weitere Gruppe nannte ihr Projekt „deaf-mute-bracelet“, was, wie der Name vermuten lässt, ein Armband für akustisch eingeschränkte Menschen ist. Es soll mit Hilfe eines Vibrationsmoduls und einem LCD-Display verschiedene akustische Ereignisse, wie zum Beispiel eine Türklingel, das Babyphone oder die Mikrowelle, dem Gehörlosen per Vibration und Text mitteilen, so die Erfinder Stefanie Schneider und Timo Kussinna.
Die letzte der drei Gruppen entwickelte ein sprachgesteuertes Schachbrett, um auch motorisch eingeschränkten Menschen das Schachspielen zu ermöglichen. Andreas Raststätter, Robin Püttmann und Marc-German Emmert tauften das Schachbrett VCCB – Voice Controlled Chess Board.
Gruppenintern gab es regelmäßig Diskussionen über die Arbeitsmoral der einzelnen Mitglieder. Und obwohl Herr Haas immer wieder auf den Zeitdruck und den Zeitplan hinwies, vergingen die 12 Monate, wie von ihm prophezeit, schneller als gedacht. So musste auch noch in der Jahrgangsstufe 2 (13.Klasse) intensiv an den Projekten gearbeitet werden. Selbst in den Ferien fanden sogenannte Engineering-Days statt, an denen ganztägig am Projekt gearbeitet wurde. Für die Verpflegung der Tüftler sorgten regelmäßig diverse Pizza-Lieferdienste und eine große Menge Schokolade, wobei den Löwenanteil der Schokolade Herr Haas zur Beruhigung seiner Nerven benötigte.
Der Anfang des Jahres 2011, genauer vom 10.Januar bis zum 22.Februar – ABI im März! – wurde aus Gründen, die besser ungenannt bleiben, zur stressigsten Zeit ever!, um es mal Neudeutsch auszudrücken. Die Schachbrett-Gruppe arbeitete am 21.Februar – einen Tag vor der Präsentation bei Jugend forscht – bis tief in die Nacht noch an ihrem Projekt. Ein Knackpunkt war die Frist, die von Jugend forscht zur Einreichung der Projekte festgelegt worden war. Der Abgabezeitpunkt für die Dokumentation war zwar schon seit 10 Monaten bekannt, aber der Abgabetag kam dann doch ganz plötzlich und unerwartet. Kurz vor knapp wurden die Unterlagen fertiggestellt und zur Post getragen – nur um festzustellen, dass samstags die Post früher schließt als erwartet. Aber alles kam noch fristgerecht an – zumindest bei Jugend forscht. An die anderen Institutionen, wie den BEO-Wettbewerb, war nicht alles rechtzeitig versendet worden.
Am 22.Februar war es dann endlich so weit. Gefühlt um fünf Uhr morgens starteten die Teilnehmer nach Pforzheim ins Bankhaus, in welchem seit drei Jahren der Jugend forscht-Wettbewerb Mittelbaden-Enz ausgetragen wird. Den ganzen Tag präsentierten die Gruppen ihre Projekte. Vormittags stellten sie sich der Jury und der Presse und nachmittags der Öffentlichkeit. Die Siegerehrung dauerte volle drei Stunden und alle drei Projekte unserer Schule erhielten Sonderpreise: Die i-Mouse und das VCCB von der IHK und das deaf-mute-bracelet vom Ministerium für Umwelt. Herr Haas wurde mit einem Preis für Nachwuchsförderung geehrt. Der Tag endete mit einem kleinen Umtrunk.
Fazit der Jugend-Forscher: sie würden es, trotz des immensen Zeitaufwands, alle wieder machen, sagten sie der Presse (Ludwigsburger Kreiszeitung, 07.02.2011, „Gehörlos den Alltag besser meistern können“). Nur dass sie sich jetzt an den Zeitplan des Projektablaufs halten würden, damit sie rechtzeitig fertig werden. „Ja, nächstes Mal …..“ kommentierte Herr Haas.
Der moralische Insider
Diana Hubert
