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Warum macht ihr das?

Dirk Rehfeld (Die Kälte + Klimatechnik)

BS

Am letzten Schultag des Beruflichen Schulzentrums in Leonberg haben wir uns auf den Weg gemacht, um die zukünftigen Mechatroniker für Kältetechnik sowie ihren Lehrer zu treffen. Wir wollten wissen, warum die Auszubildenden gerade diesen Beruf erlernen und was sie von dieser Arbeit erwarten. Auch wenn die Motive, Hintergründe und Ansichten sehr unterschiedlich sind, haben alle Lehrlinge einen gemeinsamen Gedanken: Einen sicheren Arbeitsplatz mit Perspektive und guten Verdienstmöglichkeiten. In diesem Beitrag lesen Sie, was die Azubis denken.

Die 26 Auszubildenden, darunter eine Auszubildende, sind mit den Gedanken bereits mit Zeugnis im Koffer auf der Heimreise, denn die Lehrlinge in Leonberg kommen aus dem gesamten Bundesland Baden-Württemberg und werden in Leonberg in einem 12-Wochen-Block unterrichtet. Bevor wir die Schüler jedoch in die wohlverdienten Ferien geschickt haben, wollten wir wissen, wie die Auszubildenden auf diesen Beruf aufmerksam geworden sind. Dabei kam heraus, dass viele Wege nach Rom führen. Einige haben bereits in der achten Schulklasse an einem Projekt teilgenommen, dass sich mit dem Thema Kälte beschäftigt hat. So wurde das Interesse für diese Branche und für die Kältetechnik geweckt. Andere sind durch „Kumpels“ und Bekannte auf diesen Beruf aufmerksam geworden. Noch andere wurden durch die Eltern „aufgeklärt“. Nur wenige haben durch das Arbeitsamt erfahren, dass man sich zu dieser Thematik ausbilden lassen kann. Hier besteht wohl noch das größte Potential, denn die Arbeitsämter – so die Azubis – haben überwiegend nur auf direkte Nachfrage, nicht aber aktiv auf den Beruf hingewiesen.

So sind die Arbeitsämter eventuell auch eine Ursache dafür, dass es offensichtlich nicht schwer ist, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Wichtig sei lediglich ein guter Schulabschluss, wenn möglich Realschule. Zudem solle man aufgeschlossen sein, da der Mechatroniker in dieser Branche viel mit Menschen (Kunden, Anlagenbetreiber usw.) in Kontakt kommt. Oliver Löffler, einer der Ausbilder in der Leonberger Berufsschule ergänzt: „Ein Abitur ist eigentlich nur bedingt optimal, da der Lehrling oftmals nach der Ausbildung studiert und dem Betrieb dann als Arbeitskraft fehlt. Hier in dieser Klasse haben wir überwiegend Realschüler, eine kleine Anzahl an Hauptschülern und wenige Abiturienten.“

Auf die Frage was die Azubis nach der Ausbildung vorhaben, gab es keine konkrete Antwort. Von den Lehrlingen wollen ca. 70 Prozent auf jeden Fall „weitermachen“, sei es als Meister oder in Form eines Studiums bzw. der Weiterbildung zum Techniker. „Das Problem beim Meister ist: Es fehlen die fünf Gesellenjahre, die man noch vor ein paar Jahren vorweisen musste, sprich man hat keine praktische Erfahrung“, sagt Löffler. Dennoch erwarten die Lehrlinge einen vielseitigen Beruf mit abwechslungsreichen Tätigkeiten. Reizvoll sind nach Angaben der Auszubildenden auch die Montagen, die in anderen Städten oder sogar in anderen Ländern stattfinden und die ständig neuen Herausforderungen durch die Weiterentwicklung der Technik. Viele sagten, sie hätten mit dieser Ausbildung einen Beruf mit Zukunft und einen sicheren Arbeitsplatz. Es ist ein ständig wachsender Bereich, denn mittlerweile geht es fast nirgends mehr was ohne Kühlung oder Klimatisierung. Der schönste Satz eines Lehrlings: „Wie eine große Familie“. Was bei den Lehrlingen als eher unbekannt einzustufen ist, sind der BIV und die Kampagne „Der Coolste Job der Welt“.

Zum Ende des Treffens ergänzte Löffler: „Was einem in dieser Branche klar sein muss ist, dass eine Menge Überstunden anfallen können. Es gibt zum Beispiel Störungen, Notdienste, Montagen, die eilig sind und vieles mehr. Der Vorteil, der sich daraus ergibt, ist natürlich ein höherer Lohn am Monatsende.“

Dirk Rehfeld (Redakteur der Zeitschrift: Die Kälte + Klimatechnik)