Spät abends kam die Gruppe aus 15 Auszubildenden, und den Lehrern Tilo Wieland und Walter Söhner an. Ein schöner Abend, schönes Licht. Die Jungs waren sofort beeindruckt von der Wucht der „La Manquita“ („kleine einarmige Dame“), der nicht fertiggestellten Kathedrale, – es fehlt ein Turm - von Málaga. Fortan wurde ständig diskutiert, ob ein solcher Mangel zu beheben sei?
Am darauf folgenden Montag begannen wir unser Besuchsprogramm, welches sich aus gemeinsamen praktischen und theoretischen Tätigkeiten, Firmenbesuchen und kulturellem Rahmenprogramm zusammensetzte.
Wir besuchten die „Fundacíon Laboral de la Construcción“, eine halb staatlich und halb gewerkschaftlich finanzierte Fortbildungsinstitution, welche Arbeitslose und an Weiterbildung interessierte Bauarbeiter zu ihren Kunden zählt. Außerdem verwaltet diese Institution alle beruflichen Lebensläufe der am Bau beschäftigten Personen in Spanien und stellt ihnen hierzu eine Art Personalausweis aus. Sehr professionell trat hier erstmals unser mitgereister Schüler Abraham Porras Ramírez als Übersetzer auf. Abraham befindet sich derzeit im dritten Ausbildungsjahr als Stuckateur und wurde im Rahmen des Anwerbeverfahrens Mobi-PRO als Stuckateur für Baden-Württemberg gewonnen. Er selbst stammt aus Málaga und war unser diesjähriger „Brückenpfeiler“.
Als gemeinsame praktische Tätigkeit hatten wir uns vorgenommen, unser Projektsymbol in einer besonderen Putztechnik auszuführen. Dies erwies sich dann doch als schwieriger als gedacht und wurde daher durch gemeinsame Unterrichtseinheiten ersetzt. Auch dies war eine gute Erfahrung!
Am Donnerstagvormittag organisierte das Deutsche Konsulat unter Leitung von Konsul Peter Eck eine Führung durch das Automuseum Málaga. Die Autos werden immer im Kontext der jeweiligen zeitgenössischen Mode gezeigt, was relativ einmalig ist.
Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch der Kalköfen von Morón de la Frontera. Diese sind von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt worden. Wir erhielten im Besuchszentrum einen tief gehenden Einblick in das harte Leben der „Kalkbrenner“. Nach wie vor wird dort Branntkalk in handwerklicher Tradition hergestellt, ein „feuriger Job“!
An den Folgetagen besuchten wir verschiedene Firmen, die sich mit der nachhaltigen Bauwirtschaft beschäftigen und sich in der Interessengemeinschaft „red verde“ – grünes Netz - zusammengeschlossen haben. Wir erfuhren viel von den Vorteilen des regionalen Dämmstoffs Kork und erhielten manch spaßige Erläuterungen zu den „puentes termícos“, also den Wärmebrücken an Gebäuden.
Sehr interessant war der Besuch einer Baustelle der Fa. Baupanel. Dieses Bausystem ist schon weltweit im Einsatz. Weil die Zulassungsbestimmungen zum deutschen Baumarkt aber sehr restriktiv sind, dauerte es bis dieses Jahr bevor eine erstmalige Ausführung auch bei uns möglich wurde. Da die Auszubildenden dieses System nicht kennen konnten, war die Aufmerksamkeit entsprechend groß. Das System zeichnet sich dadurch aus, dass möglichst geringer technischer Aufwand notwendig ist und doch große Effizienz erreicht wird.
Ein weiterer Höhepunkt? Für manchen ja, für andere nicht! An einem Nachmittag wurden wir von der Gastronomie-Abteilung der IES La Rosaleda zu einem 5-Gänge-Menü eingeladen. Wie zu erwarten, war die Menüfolge stark fischlastig geprägt. Für manchen war dies eine große Herausforderung, aber ALLE haben aufgegessen!
Zum Essen: Regelmäßig waren wir bei unseren „Omas“ essen. Ich glaube, es ist eine der wenigen Mittagsgaststätten ohne ständige Fernsehbeschallung. Zwei ältere Damen betreiben die Gaststätte und haben uns jeweils hervorragend bekocht. Wir zahlten 7,50 € für ein Zweigänge-Menü samt Getränken und Nachtisch.
Und wer hat bezahlt? Hier kommt als Abschluss der „Neusprech“ von unserem Auszubildenden Mehmet Baydar zum Tragen: „Alles auf Erasmus sein Nacken!“
Es war schön!
Herr Söhner bedankte sich bei allen Mitgereisten, dass sie durch ihr Verhalten hervorragend zum Gelingen des Besuchs beigetragen haben.
