Nachdem die Stufe in fünf Gruppen aufgeteilt wurde, konnte die Führung beginnen. Jede Gruppe hatte seinen eigenen Guide, der die Klasse mit viel interessantem Wissen über das ehemalige KZ-Gelände führte. Unser Guide begrüßte uns mit der Frage, ob wir uns schon in dem ehemaligen Arbeitslager befänden, was bei dem ein oder anderen zu Verwirrung führte. Vielen war bis zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst, dass der Großteil des Dachauer KZs nicht das Arbeitslager umfasst, sondern das Lager der SS, in dem Männer zum KZ-Wachmann oder SS-Führer ausgebildet wurden. Ein Abschluss in Dachau galt zur Zeit des NS-Regimes wie heutzutage „ein Abschluss in Harvard“. In diesem Zusammenhang betonte unser Guide immer wieder, dass man beim Gedenken an ein KZ nicht nur an Opfer, sondern vor allem an die Täter denken solle.
Anschließend betraten wir das damalige Arbeitslager durch eine Eisentür mit der Aufschrift „Arbeit macht frei“ und standen plötzlich auf dem Platz, auf dem die Zählapelle stattfanden.
Auf die Frage, wie lange diese Zählapelle andauerten, antwortete sie kurz, „unterschiedlich“ und dass jeder der Gefangenen dabei gehofft habe, dass auch jeder zum Appell erschien, denn war dies nicht der Fall, mussten alle so lange warten und stehen bleiben, bis auch der Letzte im Arbeitslager war. Dabei war es nicht ungewöhnlich, dass Menschen kraftlos umkippten und lange Zählappelle nicht durchhielten. Nach dem längsten Zählappell, der 11 Stunden andauerte, wurden hunderte Tote vom Platz gebracht. In diesem Zusammenhang erzählte sie uns außerdem von den grausamsten und einprägsamsten Foltermethoden und Strafen der SS.
Da die Führung sehr viele interessante Informationen mit sich brachte, berichten wir nun von den einprägsamsten.
An wen denken Sie, wenn Sie an ein KZ denken?
Sicherlich zunächst einmal an Juden, oder? Das dachten wir auch. Jedoch repräsentierten die Juden nur einen geringen Teil der Opfer eines KZs. Die größte Gruppe der damaligen Opfer bildeten die politischen Gegner Hitlers und Andersdenkende. Dies zeigte uns, dass vielen damaligen Gesellschaftsgruppen die Opfer des NS-Regimes waren, beim Gedenken an diese Zeit aber oft vergessen und sogar davon ausgeschlossen werden.
Das spiegelt auch das Relief mit Winkeln in Form einer Kette im Dachauer KZ wieder. Winkel in verschieden Farben repräsentieren hierbei jeweils eine Gruppe der Opfer.
Erschreckend war hierbei die Tatsache, dass Vertreter der internationalen-Dachau-Kommission, die selbst Opfer im KZ waren, absichtlich drei Gruppen für das Denkmal ausschlossen. Dies waren „Die Assozialen“, die Homosexuellen und „Die Zigeuner“. Indirekt zeigt dieser Ausschluss, dass diese Gruppen der Opfer laut der internationalen-Dachau-Kommission, es nicht verdient hätten, an sie zu denken und dass es gerechtfertigt gewesen sei, dass sie Opfer des KZs waren.
Alles in allem war diese Exkursion sehr interessant und aufschlussreich, wobei uns dabei vieles sprachlos und schockiert zurückließ. Außerdem beschäftigte uns dieses Thema noch die darauffolgenden Tage, weshalb ein Gespräch innerhalb des Geschichtsunterrichts hilfreich war, die Gedanken zu verarbeiten und zu sortieren. Einen Ausflug ins Dachauer KZ können wir nur empfehlen, da dies ein wichtiges geschichtliches Thema ist, und man sich diesem immer wieder bewusst werden sollte, denn die Dinge, die man bei einer Führung im KZ erlebt und sieht, kann man aufgrund von Bildern aus dem Internet nicht nachempfinden.
